Jonas Vingegaard als „Lord Helmchen“, seine Kollegen als gelbe U-Boote unterwegs: Mit ihren revolutionären neuen Zeitfahr-Helmen haben die Profis des Radsport-Topteams Visma-Lease a Bike zum Auftakt der Fernfahrt Tirreno–Adriatico für großes Aufsehen gesorgt. Aber auch reichlich Spott geerntet.
„Ich will nicht sagen, dass die Helme hässlich sind. Ich sage nur, dass es ein guter Zeitpunkt ist, mit dem Radsport aufzuhören“, schrieb der belgische Profi Thomas De Gendt bei X. Sein irischer Kollege Sam Welsford vom deutschen Team Bora-hansgrohe schob sofort hinterher: „Ich kündige.“
„Da wurde der Aero-Helm neu gedacht“
Visma und Tour-Champion Vingegaard waren bei der „Fahrt zwischen den Meeren“ mit ihren neuen Giro-Helmen angetreten – knallgelbe Ungetüme, geschätzt doppelt so groß wie der handelsübliche Kopfschutz, die vorne mit einem verspiegelten Visier bis zur Nasenspitze und hinten im Renneinsatz fast zwischen die Schulterblätter reichten. „Da wurde der Aero-Helm neu gedacht“, sagte Vismas deutscher Sportdirektor Paul Martens: „Wir sehen das als große Verbesserung an.“
Die im Internet versammelte Radsport-Welt sah dies indes als Anlass für viel Spaß und Unfug. „Hell-Met“ wurde das Teil getauft. Der italienische Profi Jacopo Guarnieri postete ein Bild von Rick Moranis als „Lord Helmchen“ aus der Weltraum-Klamotte Spaceballs. Helmchen, im Original Dark Helmet, ist eine Persiflage auf den Star-Wars-Schurken Darth Vader – nur eben mit Riesen-Helm.
Einige andere wiesen samt Bildmaterial darauf hin, dass der Slowene Primoz Roglic (mittlerweile Bora-hansgrohe) ausgerechnet als Jumbo-Visma-Profi 2020 bei seiner entscheidenden Niederlage im Bergzeitfahren der Tour de France in einem ebenso skurrilen Helm unterwegs gewesen ist – nur dass dieser damals eben viel zu klein war.
Außer viel Lärm hat der Helm dem Visma-Team übrigens nicht viel gebracht: Die Profis der niederländischen Mannschaft enttäuschten im Zeitfahren, Favorit Vingegaard war als Neunter einziger Visma-Fahrer unter den besten 60 – mit 22 Sekunden Rückstand nach 10 Kilometer auf den Sieger Juan Ayuso aus Spanien. Dessen Helm war ein gewöhnlicher.
Außenseiter Arvid de Kleijn gewann derweil den zweiten Massensprint der Rad-Fernfahrt Paris-Nizza. Der Niederländer vom zweitklassigen Tudor-Team setzte sich am Montag nach 177,6 Kilometern in Montargis vor dem Neuseeländer Laurence Pithie und seinem Landsmann Dylan Groenewegen durch.
In der Gesamtwertung übernahm Pithie das Gelbe Trikot des Führenden. Der Hesse Jonas Rutsch musste sein zum Auftakt erobertes Bergtrikot wieder hergeben. Zwar sicherte sich der 26-Jährige die erste Bergwertung, fuhr bei der zweiten und letzten aber nur auf Rang drei.
Der Franzose Mathieu Burgaudeau liegt mit 15 Punkten in der Wertung zwei Zähler vor Rutsch. Am Dienstag wird es mehr als einen Sieger geben. Rund um Auxerre steht ein 26,9 Kilometer langes Mannschaftszeitfahren an. Am Ende könnte einer der drei Top-Favoriten Primoz Roglic, Remco Evenepoel oder Joāo Almeida die Führung in der Gesamtwertung übernehmen. Das Rennen, das Roglic 2022 gewann, endet am Sonntag in Nizza.